Partnerschafts - Begegnungen

 

 

Interessante Eindrücke in Rumänien

Kolpingwerk Erfurt besuchte vom 17. - 21. Mai 2010 rumänische Partner

 

Vor einigen Tagen kehrte eine Reisegruppe von ihrer Begegnungsfahrt aus Rumänien zurück. Auf eigene Kosten war sie fünf Tage in Caransebes, Timisoara, Ineu und Mocrea unterwegs und besuchte Partner und Projekte, die vom Kolpingwerk Erfurt, unter anderem von den Erlösen der Kleidersammlungen, unterstützt werden.

„Ein solcher Besuch ist wichtig, um die persönlichen Kontakte lebendig zu halten und sich vor Ort ein Bild zu machen, wie es voran geht und ob die Spendengelder sinnvoll verwendet werden“ sagt Annette Müller, Kolpingmitarbeiterin und verantwortlich für die Zusammenarbeit des Verbandes.

 

 „Während der Besuche bei unseren rumänischen Freunden und den Paten-kindern erhielten wir nicht nur aktuelle Informationen und Fotos, wir erfuhren auch etwas über die wirtschaftliche und politische Lage im Land.“ In Bukarest gab es am 18. Mai eine große Demonstration an der 50 Tausend Menschen teilnahmen und gegen die Sparmaßnahmen der Regierung protestierten.

 

Ab 1. Juli sollen in Rumänien die Löhne im öffentlichen Dienst um 25 % und die Renten um 15 % gekürzt werden. Somit soll die von Misswirtschaft und Korruption verursachte Staatsverschuldung aufgehalten werden. Bei Löhnen von 300,00 - 400,00 EUR und Renten von etwa 100,00 EUR sind diese Kürzungen, bei z.B. Benzinpreisen fast wie in Deutschland, gravierend.

Diese Krise wirkt sich auch bei manchen Projekten negativ aus. Nach anfänglichen guten Erfolgen des von der „Aktion Mensch“ finanzierten Projekts „Arbeit und Begleitung von Menschen mit Behinderung“ wird es zunehmend schwerer Firmen zu finden, die einen jungen Menschen mit Behinderung anstellen, zumal die vor einem Jahr noch gezahlte staatliche Förderung wieder wegfiel.

Auch die schon vorbildlichen Bedingungen für die acht Patenkinder im Familienhaus „Casa Elisabeta“ in Mocrea haben sich durch die Unterbringung von weiteren fünf Kindern im Haus wieder etwas verschlechtert. „Es geht den Kindern verhältnismäßig gut und sie sind ausreichend versorgt, aber es ist für so viele Kinder schon etwas eng und die individuelle Betreuung dieser behinderten Kinder leidet darunter.“ stellt Frau Müller nach ihrem Besuch im „Casa Elisabeta“ fest

 

Es wird besonders den ärmeren Familien in Zukunft schlechter gehen. Deshalb wurde mit den Partnern vom Kolping-Regionalverband Banat überlegt, wie man gemeinsam diesen Menschen helfen kann. Ein Hilfstransport im September und die Weihnachtspaketaktion im November sollen dazu beitragen, die größte Not zu lindern. In diesem Jahr wollen sich auch rumänische Kolpingmitglieder, denen es möglich ist, an dieser Aktion beteiligen. So werden deutsche und rumänische Weihnachts-päckchen an die Ärmsten verteilt.

„Für uns ist es gut zu sehen, dass sich unsere Partner mit engagieren und nicht nur Empfänger der Spenden sind. Es gibt in Rumänien auch Menschen, die aufrichtig gegen die Korruption kämpfen und sich für eine sozial gerechte Gesellschaft einsetzen. Sie haben es nicht leicht. Unsere Partnerschaft will sie unterstützen und ihnen Mut machen“, fasste Annette Müller als Ergebnis der Begegnungsfahrt zusammen.

 

 

In der Fotogalerie sind Fotos von der Reise zu sehen.

 

Reisebericht Begegnungsfahrt nach Rumänien

25. -30. Mai 2008

 

Am Sonntag gegen 7.00 Uhr startete der weiße VW-Bus in Richtung Rumänen. Zunächst jedoch erstmal nach Tabarz und nach Weimar um noch 5 Mitreisende aufzunehmen. Gegen 13.00 Uhr passierten wir Passau, gegen 15.00 Uhr Linz und um 17.30 Uhr befanden wir uns schon auf ungarischen Boden. So erreichten wir um 19.30 Uhr Kecskemet, checkten im Hotel Palma ein und gingen dann gemütlich in der Stadt im Restaurant „Genius“ essen. Als wir um 22.30 Uhr zurück ins Hotel kamen war auch Pfarrer Tasch, der erst gegen Mittag starten konnte, mit seiner Gruppe angekommen.

Am Montag ging es nach erholsamer Nacht und Frühstück weiter in Richtung Rumänien. Die Grenzabfertigung in Gyula/Varsand war wunderbar und so kamen wir fast pünktlich um 12.30 Uhr in Ineu an. Auf der Sicula-Farm erwartete uns schon Jörg Georgi mit Frau Igas vom Jugendamt. Bei einigen Erfrischungen und Gebäck berichteten sie uns über die momentane Situation im „Casa Elisabeta“ und über die Jugendlichen die auf der Sicula-Farm, die in Trägerschaft des Jugendamtes Arad ist, leben. Wir schauten uns das Haus und die Gewächshäuser an und fuhren dann weiter nach Mocrea zur Farm „Apa Acra“. Diese Farm wird vom Verein „Impreuna“ betrieben und auf ihr leben und arbeiten etwa 20 Jugendliche. Gegen 14.00 Uhr traf der Direktor der Berufsschule „Szabo BrankowitzschNelu Nicodin ein und wir aßen gemeinsam Mittag. Bei dieser Gelegenheit lernten wir auch eine Gruppe von der Caritas Paderborn kennen, die gerade für eine Woche zu einem Arbeitseinsatz auf der Farm waren. Johannes Bracke, der Leiter der Gruppe ist schon viele Jahre mit uns bekannt und auch ein wichtiger Partner für die Einrichtungen in Ineu.

Nach dem Essen fuhren wir dann ins Dorf Mocrea zu unseren Patenkinder im „Casa Elisabeta“. Wir wurden schon sehnsüchtig von den Kindern erwartet. Nach der Begrüßung übergaben wir den Kindern im Haus die Geschenke. Jedes Kind bekam eine Kleinigkeit, ein Spiel und Süßigkeiten und als große Überraschung hatten wir ihnen einen Fußballkicker mitgebracht. Gemeinsam mit den Kindern machten wir dann einen Spaziergang durch das Dorf. Wir kehrten in einer kleinen Dorfkneipe ein. An einem schattigen Plätzchen gab es für die Kinder Eis und Cola nach Wunsch und für die Erwachsenen natürlich auch eine Erfrischung. Einige Patenkinder waren sehr gesprächig und Dank der Übersetzung durch Jörg Georgi und Ralf Hundert konnten wir viel Interessantes über die momentane Lebenssituation der Kinder erfahren. Als wir ins „Casa Elisabeta“ zurückkehrten, hatten Karl, Ronald und Mario schon den Fußballkicker aufgebaut und die Kinder konnten ihn in Besitz nehmen. Noch einmal war die Freude groß. Wir saßen noch eine Weile auf der Veranda und beschauten uns Hof, Stall und Haustiere bis wir uns gegen 18.30 Uhr von den Kindern verabschiedeten und zurück nach Ineu fuhren. Dort konnten wir die Zimmer im „Gästehaus“ beziehen und uns noch ein wenig ausruhen. Um 19.30 Uhr begann dann eine Führung durch Gebäude und Gelände der Schule. Der Direktor Nelu Nicodin zeigte uns stolz all die neuen und modernen Klassenräume und den neuen Sportplatz. Nach dem Rundgang gab es im Speiseraum Abendessen und einen gemütlichen Abend gemeinsam mit Angestellten der Schule und der Gruppe aus Paderborn.

 

Am Dienstag früh verabschiedeten wir uns von Nelu Nicodin und seinen Mitarbeitern tauschten gute Wünsche und Geschenke aus und fuhren zur Sicula-Farm. Dort hatten wir uns um 8.30 Uhr noch einmal mit Jörg Georgi und Frau Igas zum Frühstück verabredet. Jörg schlug uns dabei vor, nach dem Frühstück ein Haus in Ineu anzusehen, in dem Jugendliche ohne Betreuung und Familie leben. Dies taten wir und es wurde für manchen das schockierenste Erlebnis der Reise. Unter welchen Verhältnissen einige dieser Jugendlichen dort „leben“ war erschreckend. Dann fuhren wir zu Jörg nach Hause. Im schattigen Garten berichtete er über das auslaufende Projekt „Mobile Schule“ und über das beginnende Projekt „Arbeit und Begleitung für Menschen mit Behinderungen“. Gegen 11.00 Uhr hieß es Abschied nehmen von Ineu. Unser nächstes Reiseziel war Timisoara. Die Straßen von Ineu nach Arad waren in keinem guten Zustand. Darunter litten der Reisekomfort sowie der Auspuff vom VW-Bus. Kurz vor Arad war er dann abgerissen. Nach einer Notreparatur konnten wir die Fahrt fortsetzen und erreichten um 13.30 Uhr Timisoara. Unsere Kolpingfreunde brachten uns zur Sozialkantine, wo es ein sehr schmackhaftes Mittagessen gab. Wir erfuhren von den Aktivitäten der Kolpingsfamilie dort und davon, dass die Sozialkantine dringend Unterstützung benötigt. Um 17.00 Uhr waren wir in die neue Kapelle von Pfarrer Daniel Sas zu einem griechisch-katholischen Gottesdienst eingeladen. Während dieser Zeit hatten sich einige Männer um die Reparatur unseres Autos gekümmert. Der Gottesdienst dauerte eineinhalb Stunden und war durch die liturgischen Gesänge sehr feierlich. Auch die sehr geschmackvoll eingerichtete Kapelle ließ uns alle staunen. Bei anschließenden Gesprächen erfuhren wir, dass einige Einrichtungsgegenstände Spenden aus Deutschland sind und sonst meist die Gläubigen die Kosten dafür getragen haben. Außerdem ist geplant im angrenzenden Gebäude ein Seniorenzentrum unterzubringen. Dort sollen allein stehende und bedürftige Rentner mit einer Mahlzeit versorgt und betreut werden. Da es sich nun etwas abgekühlt hatte brachen wir zu einem Spaziergang in der Innenstadt auf. In der Bischofskirche erzählte uns der Organist der Kirche in deutscher Sprache interessante historische Hintergründe. Auch die teilweise restaurierten wunderschönen Gebäude der Innenstadt ließen vergangene Blütezeiten erahnen. Ein erfrischendes Eis auf dem Weg tat allen gut. Erschöpft fuhren wir zu unserem Quartier, dem Salvatorianerkloster im Zentrum der Stadt. Nach einer kurzen Verschnaufpause oder Dusche gingen wir dann zu einem sehr schönen Lokal. Dort gab es mit den Vorstandsmitgliedern des Kolping Regionalverbandes Banat ein gemeinsames Abendessen. Bei Wein und Bier wurde anschließend noch ein wenig geplaudert.

 

Den Mittwoch begannen einige mit dem Laudes in der Hauskapelle und anschließenden Gottesdienst in der Salvatorianer-Kirche. Zum Frühstück um 8.00 Uhr waren wir alle wieder vereint und brachen dann gegen 9.00 Uhr nach Caransebes auf. Dort wollten uns die Verantwortlichen vom Regionalverband Banat das im Bau befindliche Ausbildungs- und Seminarzentrum zeigen. Nach zweistündiger Fahrt erreichten wir Caransebes. Etwas außerhalb an einem kleinen Fluss sehr schön gelegen entsteht dieses neue Kolpinghaus. Monica Munteanu, die Regionalsekretärin informierte uns über den Stand der Baumaßnahmen und die künftigen Planungen. Anschließend besichtigten wir den Rohbau und überlegten schon, wie wir von Deutschland aus bei der Einrichtung des Hauses behilflich sein könnten. Die im Februar nach Rumänien gebrachte Großküche steht schon hinterm Haus in Folie gehüllt zum Einbau bereit. Zum Mittagessen kehrten wir dann im Stadtzentrum ins Restaurant „Eden“ ein. Im schattigen Garten des Lokals wurde uns das Essen serviert. Da sich das alles etwas länger hinzog, blieb keine Zeit um die Stadt zu besichtigen. So fuhren wir gleich zurück nach Timisoara in unser Quartier und kurze Zeit später nach Dumbravita. In diesem kleinen Ort in der Nähe von Timisoara erwartete uns schon Pfarrer Josef Heinrich mit seiner Kolpingsfamilie. Während die beiden Vorstände sich zu einer Sitzung trafen besichtigte die Reisegruppe mit Pfarrer Heinrich die Kirche und den Ort. Gegen 20.00 Uhr gab es ein leckeres Abendessen. Anschließend stellten die Gäste und die Gastgeben jeweils mit einer Powerpoint-Präsentation ihre Verbandsarbeit vor. Am späteren Abend trafen noch einige alte Bekannte ein und es wurde ein schöner Abend mit Begegnungen und Gesprächen. Zum Abschied bedankten wir uns bei allen herzlich und überreichten kleine Geschenke. Auch wir wurden alle mit kleinen Präsenten bedacht und fuhren gegen 23.00 Uhr zurück nach Timisoara. Im Kloster setzten wir uns noch ein wenig zusammen, um uns über unsere Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke auszutauschen. So war es schon früher Morgen geworden, ehe wir uns schlafen legten.

 

Das Frühstück am Donnerstag war für 7.00 Uhr vereinbart, denn wir wollten rechtzeitig aufbrechen.

Monica und Cosmin, der Jugendreferent des KR Banat hatten noch einige Extras für das sonst etwas spartanische Frühstück besorgt und uns auch noch einigen Reiseproviant bereitet. (Sandwiches). So konnten wir gut gestärkt und gerüstet unsere Heimreise um 8.00 Uhr beginnen. Einen kleinen Zwischenstopp legten wir noch in Cenad ein. In diesem Ort (6.000 Einwohner) kurz vor der ungarischen Grenze gibt es zwei Kolpingsfamilien. Pfarrer Dan Groza von der römisch-katholischen KF erwartete uns mit Kaffee, Kuchen und kalten Getränken. Nach einem Besuch der Kirche “St. Gerhard“ und dem Gemischtwarenladen von Michai Vaidovici ging es dann direkt zur Grenze. Die Passkontrolle war schnell erledigt und so fuhren wir gerade durch Ungarn hindurch bis nach Hegyeshalom, wo wir gegen 14.30 Uhr in der „Paprika Carda“ unser traditionelles Mittagessen einnahmen. Unser Tagesziel das ETAP-Hotel bei Regensburg erreichten wir um 19.30 Uhr. Wir ließen den Abend mit einer deftigen Brotzeit, einigen Getränken und guten Gesprächen ausklingen.

 

Am Freitag gratulierten wir erst einmal Karl ganz herzlich zum Geburtstag und fuhren dann nach dem Frühstück um 7.30 Uhr los. Wir kamen so gut voran, dass die Weimarer schon um 10.15 Uhr wieder heimatlichen Boden betreten konnten. In Tabarz waren wir gegen 11.00 Uhr. Dort luden wir die Autos um und verweilten noch einen Augenblick. Um 13.00 Uhr hatte auch ich den Ausgangspunkt Siemerode erreicht. Auch unser zweites Auto von Pfarrer Tasch hat gegen Mittag die Heimat wieder erreicht.

 

Eine interessante, erlebnisreiche, anstrengende aber auch schöne Reise ging zu Ende, die allen Teilnehmern noch lange in hoffentlich guter Erinnerung bleibt.

 

 

Heiligenstadt, 10. Juni 2008

Annette Müller